HVO100 Preis: Was Käufer von Gebrauchtwagen und Wohnmobilen jetzt wissen müssen
HVO100 kostet an deutschen Tankstellen derzeit spürbar mehr als fossiler Diesel — doch für bestimmte Fahrzeuge ist er der einzige legale Weg zu niedrigeren CO₂-Emissionen. Was Käufer wissen müssen.
Auf dieser Seite
- HVO100 Preis in Deutschland: Was Tankstellen aktuell verlangen
- Herstellerfreigaben: Welche Fahrzeuge dürfen HVO100 tanken?
- Kostenkalkulation: HVO100 versus Diesel — die ehrliche Rechnung
- Warum der HVO100 Preis so hoch ist: Ursachen und Ausblick
- Kaufentscheidung: HVO100-freigegeben oder nicht — Kosten gegen Risiken
- HVO100 und die Hauptuntersuchung: Was GTÜ und TÜV prüfen
- EU-Importe und Leasingrückläufer: Freigaben im Ausland sind kein Selbstläufer
- Praktische Schritte beim Kauf eines HVO100-tauglichen Gebrauchtwagens
- Fazit: HVO100 lohnt sich — aber nur unter klaren Bedingungen

Wer gerade ein gebrauchtes Wohnmobil bis 30.000 Euro sucht oder einen älteren Diesel-Pkw kaufen möchte, stößt unweigerlich auf die Frage nach dem HVO100 Preis — und darauf, ob der Kraftstoff für das ins Auge gefasste Fahrzeug überhaupt freigegeben ist. HVO100, also zu 100 Prozent hydriertes Pflanzenöl nach DIN EN 15940, ist seit seiner breiteren Markteinführung in Deutschland sowohl als technologische Hoffnung als auch als Preisschock diskutiert worden. An den wenigen Tankstellen, die den Kraftstoff anbieten, liegt der Listenpreis je nach Standort und Anbieter deutlich über dem eines vergleichbaren fossilen Diesels — ein Umstand, der Kaufentscheidungen direkt beeinflusst. Wer ein Fahrzeug erwirbt, das formal für HVO100 freigegeben ist, kalkuliert anders als jemand, der das Fahrzeug ohnehin nur mit herkömmlichem B7-Diesel betreiben kann. Dazu kommt: Beim Kauf eines Gebrauchtwagens — egal ob vom Händler oder privat — gelten Gewährleistungsrechte nach BGB §§ 434 und 438, die sich auf den vertragsgemäßen Kraftstoff erstrecken können. Ein Fahrzeug, das bauartbedingt nur für B7 freigegeben ist, mit HVO100 zu betanken, kann also auch rechtliche Konsequenzen haben. Dieser Leitfaden sortiert Preise, Freigaben und Kaufrisiken — ohne Schönfärberei.
The short answer
HVO100 kostet an deutschen Tankstellen je nach Standort zwischen 1,55 und 1,85 Euro pro Liter und damit deutlich mehr als fossiler Diesel. Ob sich der Aufpreis lohnt, hängt davon ab, ob das Fahrzeug eine Herstellerfreigabe hat — und ob man die Mehrkosten über eine niedrigere Fahrzeugsteuer oder günstigere Maut teilweise kompensieren kann.
HVO100 Preis in Deutschland: Was Tankstellen aktuell verlangen
An den Zapfsäulen der großen deutschen Mineralölgesellschaften und unabhängiger Anbieter schwankt der HVO100 Preis erheblich. Der ADAC hat in Stichproben dokumentiert, dass die Preisdifferenz zu fossilem B7-Diesel in Deutschland in der Regel zwischen 15 und 35 Cent pro Liter liegt. Das klingt nach wenig, summiert sich aber bei einem Wohnmobil mit 100-Liter-Tank auf 15 bis 35 Euro je Füllvorgang — und auf mehrere Hundert Euro im Jahr, wenn das Fahrzeug regelmäßig genutzt wird. Hinzu kommt, dass HVO100 an deutlich weniger Stationen verfügbar ist als herkömmlicher Diesel: Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) erfasst in seinen Zulassungsstatistiken zwar die Fahrzeuge mit Herstellerfreigabe für Paraffinischen Diesel, führt aber keine zentrale Karte der Zapfstellen.
Regionale Preisunterschiede und Verfügbarkeit
In Norddeutschland, wo mehrere Logistikunternehmen und Speditionen HVO100 im Flottenbetrieb einsetzen, ist die Stationsdichte höher als im ländlichen Bayern oder Sachsen. Die Bundesnetzagentur reguliert Kraftstoffpreise nicht direkt, aber das Bundeskartellamt beobachtet die Preisbildung an Tankstellen. Nach Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz war HVO100 im Jahr der Markteinführung in Deutschland an weniger als 300 öffentlichen Tankstellen verfügbar — eine Zahl, die seitdem gewachsen ist, aber weiterhin eine Verfügbarkeitslücke gegenüber den rund 14.200 Dieselstationen laut Statistischem Bundesamt beschreibt. Wer ein gebrauchtes Fahrzeug mit HVO100-Freigabe kauft und abseits großer Verkehrsachsen wohnt, riskiert also, dass er den Kraftstoff im Alltag gar nicht praktisch einsetzen kann.
Herstellerfreigaben: Welche Fahrzeuge dürfen HVO100 tanken?
Die Frage der Herstellerfreigabe ist für Gebrauchtwagenkäufer zentral, weil eine fehlende Freigabe im Schadensfall erhebliche Folgen haben kann. HVO100 nach DIN EN 15940 ist chemisch anders zusammengesetzt als B7-Diesel — er enthält keine aromatischen Kohlenwasserstoffe und hat eine andere Viskosität. Einige Elastomere und Dichtungsmaterialien älterer Einspritzsysteme sind nicht für diese Zusammensetzung ausgelegt. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hat eine gemeinsame Freigabeliste koordiniert, die über 60 Fahrzeugmarken und hunderte Modellreihen umfasst — darunter nahezu alle aktuellen Diesel-Pkw europäischer, japanischer und koreanischer Hersteller ab Produktionsjahr 2021 sowie viele ältere Modelle, die per Nachtrag freigegeben wurden.
Wohnmobile und Nutzfahrzeuge: besondere Prüfpflicht
Gerade bei gebrauchten Wohnmobilen bis 30.000 Euro, die häufig auf Chassis von Fiat, Ford oder Mercedes-Benz aufgebaut sind, ist die Situation unübersichtlich: Das Chassis kann eine Freigabe haben, der Aufbau-Hersteller jedoch separate Hinweise zum Kraftstoff geben — etwa wegen Standheizungen oder Generatoren, die mit dem Basischassis verbunden sind. GTÜ, TÜV und DEKRA prüfen im Rahmen der Hauptuntersuchung (HU) nicht explizit, ob der richtige Kraftstoff getankt wurde. Wer sich nicht sicher ist, sollte vor dem Kauf die Zulassungsbescheinigung Teil II (Fahrzeugbrief) und das Bordbuch auf Kraftstoffangaben prüfen sowie einen vehicle history report konsultieren, der Werkstatteinträge sichtbar macht. Ein VIN check kann zudem aufzeigen, ob das Fahrzeug Rückrufe oder technische Servicemaßnahmen aufweist, die den Kraftstoff betreffen.
- Freigabe immer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) und der Betriebsanleitung verifizieren — Herstellerwebsites können veraltet sein.
- Ältere Dieselmotoren vor Euro 5 haben in der Regel keine HVO100-Freigabe; Ausnahmen bestätigen die Regel, aber die Beweislast liegt beim Käufer.
- Bei Leasingrückläufern und EU-Importen können abweichende nationale Freigaben gelten — ein Händler in Deutschland muss diese Unterschiede nach BGB § 434 offenlegen.
- Wohnmobile mit Fiat-Ducato-Basis ab 2021 haben laut Fiat Professional eine generelle HVO100-Freigabe, ältere Modelle nur auf Anfrage.
- GTÜ und TÜV bieten technische Gutachten an, die Kraftstoffkompatibilität nicht routinemäßig, aber auf Kundenwunsch prüfen.
Kostenkalkulation: HVO100 versus Diesel — die ehrliche Rechnung
Wer ein gebrauchtes Fahrzeug kauft und überlegt, ob HVO100 finanziell Sinn ergibt, muss mehrere Posten gegeneinander abwägen. Auf der Kostenseite steht zunächst der Mehrpreis an der Zapfsäule. Nimmt man einen mittleren Aufpreis von 25 Cent pro Liter und einen Jahresverbrauch von 1.500 Litern — realistisch für ein Wohnmobil, das rund 15.000 Kilometer jährlich gefahren wird — ergibt sich eine Mehrkostenlast von rund 375 Euro pro Jahr gegenüber fossilem Diesel. Das ist eine spürbare Summe für ein Fahrzeugsegment, in dem der Einstiegspreis bei gebrauchten Wohnmobilen bis 30.000 Euro ohnehin bereits das maximale Budget darstellt.
Auf der Gegenseite stehen theoretische Einsparungen: HVO100 emittiert laut Angaben des Umweltbundesamtes über den gesamten Lebenszyklus bis zu 90 Prozent weniger Treibhausgase als fossiler Diesel, wenn er aus zertifizierten Abfall- und Reststoffen hergestellt wird. Eine direkte Steuerersparnis für Privatfahrer gibt es in Deutschland derzeit nicht — die Energiesteuer auf HVO100 ist nach Energiesteuergesetz (EnStG) § 50 zwar anpassbar, wurde aber für den privaten Tankstellenverkauf bislang nicht vollständig abgeschafft. Für Gewerbetreibende existieren Anrechnungsmöglichkeiten im Rahmen der Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote), die für Privatpersonen jedoch nicht zugänglich sind.
Maut Österreich und grenzüberschreitende Nutzung
Wohnmobilbesitzer, die regelmäßig nach Österreich reisen, sollten wissen: Die österreichische Maut bietet keine Rabatte für HVO100-betriebene Fahrzeuge. Die Jahresvignette für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen kostet laut ASFINAG für das aktuelle Jahr einen festgesetzten Betrag, der unabhängig vom Kraftstoff ist. Wer die Maut Österreich online kaufen möchte, tut dies über das offizielle ASFINAG-Portal — der Kraftstoff des Fahrzeugs spielt dabei keine Rolle. Schwerere Wohnmobile über 3,5 Tonnen zahlen streckenbezogene Maut über das GO-System, ebenfalls kraftstoffunabhängig. HVO100 bringt also keinen Mautvorteil auf österreichischen Autobahnen.
Warum der HVO100 Preis so hoch ist: Ursachen und Ausblick
Die Preisbildung bei HVO100 folgt anderen Gesetzmäßigkeiten als bei fossilem Diesel. Der Rohstoff — meist Altspeiseöl, Tier-Fette oder Pflanzenöle aus zertifizierten Quellen — unterliegt weltweiten Marktpreisschwankungen und ist knapp. Laut einem Bericht der Deutschen Energie-Agentur (dena) aus dem Jahr 2024 übersteigt die globale Nachfrage nach HVO-Rohstoffen das zertifizierte Angebot bereits erheblich, was die Produktionskosten strukturell erhöht. Hinzu kommt: Großraffinierien in Finnland (Neste), den Niederlanden und Spanien dominieren die europäische Produktion, während in Deutschland kaum eigene Kapazitäten bestehen — Transportkosten und Importlogistik schlagen sich im Endpreis nieder.
Ein weiterer Faktor ist die Energiesteuer. Nach EnStG wird HVO100 an deutschen Tankstellen derzeit mit dem vollen Energiesteuersatz für Dieselkraftstoff belastet, was den Preisvorteil gegenüber fossilen Alternativen strukturell begrenzt. Lobbyverbände wie der Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen (UNITI) fordern seit Jahren eine steuerliche Entlastung, ohne bislang vollständigen Erfolg erzielt zu haben. Für Käufer bedeutet das: Es ist nicht davon auszugehen, dass der HVO100 Preis in naher Zukunft auf das Niveau von fossilem Diesel sinkt — wer ein Fahrzeug auch mit Blick auf diesen Kraftstoff kauft, sollte den Aufpreis als dauerhaft einkalkulieren.
Kaufentscheidung: HVO100-freigegeben oder nicht — Kosten gegen Risiken
Ein gebrauchter Diesel-Pkw ohne HVO100-Freigabe kostet in der Regel weniger als ein vergleichbares Modell mit Freigabe — zumindest solange die Marktnachfrage nach HVO100-kompatiblen Fahrzeugen noch nicht vollständig eingepreist ist. Wer ein gebrauchtes Wohnmobil bis 30.000 Euro kauft und auf den HVO100-Betrieb angewiesen ist, muss genau prüfen, ob die Ersparnis beim Kaufpreis die höheren Betriebskosten langfristig überwiegt. Die DAT-Restwertprognosen zeigen, dass HVO100-freigegeben-Diesel-Fahrzeuge mittelfristig tendenziell höhere Restwerte halten als reine B7-Fahrzeuge, sofern die politische Diskussion über Fahrverbote für fossile Kraftstoffe anhält — aber das ist eine Prognose, kein Versprechen.
Konkret: Ein Euro-6d-Diesel mit HVO100-Freigabe kann bei einem Kilometerstand-Betrug nach § 22b StVG rechtlich genauso betroffen sein wie jedes andere Fahrzeug. Wer die tatsächliche Laufleistung nicht kennt, riskiert deutlich frühere Wartungskosten — besonders an Einspritzsystem und AdBlue-Komponenten. GTÜ und TÜV empfehlen bei Gebrauchtwagen über 100.000 Kilometern grundsätzlich eine unabhängige technische Begutachtung vor dem Kauf, unabhängig vom Kraftstoff. Ein DEKRA-Gutachten kostet je nach Umfang zwischen 80 und 250 Euro — gemessen an den möglichen Folgekosten eines verschwiegenen Unfallschadens eine sinnvolle Investition.
- Herstellerfreigabe für HVO100 schriftlich bestätigen lassen — mündliche Aussagen des Händlers reichen nicht aus, da BGB § 434 auf vertraglich vereinbarte Eigenschaften abstellt.
- Kilometerstand über einen vehicle history report und das Serviceheft gegenprüfen; bei Verdacht auf Manipulation greift § 22b StVG mit Strafandrohung von bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe.
- GTÜ oder TÜV-Gebrauchtwagencheck vor Kaufabschluss — gerade bei Wohnmobilen auf Fremdbasis, wo Aufbau und Chassis unterschiedliche Freigaben haben können.
- Tankstellen-Verfügbarkeit am Heimatort prüfen: Eine HVO100-Freigabe nützt wenig, wenn die nächste Zapfstelle 80 Kilometer entfernt ist.
- Energiesteuerregelung beobachten: Eine mögliche Steuersenkung auf HVO100 könnte die Preisspanne zu fossilem Diesel reduzieren — bis dahin den Aufpreis in die Gesamtkostenrechnung einbeziehen.
- Bei Händlerkauf auf die gesetzliche Gewährleistung nach BGB § 438 Abs. 1 Nr. 3 achten: Sie beträgt bei Gebrauchtwagen mindestens ein Jahr, wenn der Händler sie nicht wirksam auf zwölf Monate beschränkt hat.
HVO100 und die Hauptuntersuchung: Was GTÜ und TÜV prüfen
Bei der Hauptuntersuchung (HU) nach § 29 StVZO prüfen GTÜ, TÜV und DEKRA die technische Sicherheit des Fahrzeugs — nicht, welchen Kraftstoff der Vorbesitzer getankt hat. Abgasuntersuchung (AU) und HVO100-Nutzung interagieren allerdings indirekt: HVO100 verbrennt sauberer als fossiler Diesel und kann Rußpartikelfilter mit geringerer Beladung hinterlassen, was bei der AU vorteilhaft ist. Gleichzeitig können Fahrzeuge, die lange mit falschem Kraftstoff betrieben wurden, Dichtungsschäden aufweisen, die bei der HU sichtbar werden — etwa durch Ölverlust oder Kraftstoffleckagen.
Wer ein Fahrzeug kauft, das der Vorbesitzer mit HVO100 betrieben hat, obwohl keine Herstellerfreigabe vorlag, steht vor einem Nachweis-Problem: Kraftstoffschäden sind schwer von normalen Verschleißschäden zu unterscheiden, und Händler werden im Streitfall selten freiwillig zugeben, dass das Fahrzeug falsch betankt wurde. Hier hilft ein vollständiger vehicle history report, der Werkstattrechnungen und Kraftstoffangaben aus Servicebüchern zusammenführt. ADAC und DEKRA empfehlen bei unklarer Fahrzeughistorie zudem eine Probe aus dem Kraftstofftank nehmen zu lassen — ein Verfahren, das spezialisierte Prüflabore für unter 100 Euro anbieten.
EU-Importe und Leasingrückläufer: Freigaben im Ausland sind kein Selbstläufer
Der Markt für EU-importierte Gebrauchtwagen aus Belgien, den Niederlanden oder Österreich ist für deutsche Käufer attraktiv, weil die Preise oft 10 bis 15 Prozent unter deutschen Inlandspreisen liegen — eine Differenz, die Schwacke und DAT regelmäßig in ihren Marktberichten bestätigen. Bei HVO100 entstehen dabei aber besondere Risiken: Niederländische und belgische Hersteller-Vertriebsgesellschaften haben zum Teil abweichende Freigabelisten herausgegeben, die nicht deckungsgleich mit den deutschen Versionen sind. Ein Fahrzeug, das in den Niederlanden für HVO100 freigegeben verkauft wurde, kann in Deutschland unter Umständen eine andere technische Dokumentation benötigen — was bei der Zulassung beim KBA Probleme verursachen kann.
Leasingrückläufer, die von Flottenbetreibern mit HVO100 gefahren wurden, weisen im Idealfall lückenlose Servicedokumentation auf — das ist ein Vorteil. Gleichzeitig sind Flottenleasingverträge oft so gestaltet, dass das Fahrzeug ausschließlich bei Vertragswerkstätten gewartet wurde, was die Servicekostenstruktur für den Folgeeigentümer teurer machen kann. Bei Kilometerständen über 150.000 Kilometern sollte man zudem prüfen, ob das Fahrzeug im Ausland möglicherweise einer Manipulation nach den jeweiligen nationalen Strafnormen ausgesetzt war — in Deutschland stellt § 22b StVG die Tacho-Manipulation unter Strafandrohung, im EU-Ausland sind die Regelungen uneinheitlicher.
Praktische Schritte beim Kauf eines HVO100-tauglichen Gebrauchtwagens
Wer systematisch vorgeht, minimiert das Risiko, einen teuren Fehler zu machen. Zunächst sollte die Fahrzeug-Identifikationsnummer (FIN) genutzt werden, um über einen VIN check die Basishistorie des Fahrzeugs abzufragen — Unfalleinträge, frühere Zulassungen und technische Rückrufe sind dabei besonders relevant. Anschließend empfiehlt sich ein Abgleich mit der VDA-Freigabeliste für HVO100, die nach Modell und Motorvariante differenziert. Fahrzeuge, die als Unfallwagen in der Zulassungsbescheinigung Teil II vermerkt sind — oder die im vehicle history report entsprechende Einträge zeigen — sollten besonders sorgfältig auf Kraftstoffleitungs- und Dichtungsschäden untersucht werden, da Unfallreparaturen häufig mit Teilen durchgeführt werden, die nicht der Originalspezifikation entsprechen.
Bei Händlerkäufen gilt: Der Händler ist nach BGB § 434 verpflichtet, Eigenschaften anzugeben, die für den vertragsgemäßen Gebrauch relevant sind. Wer explizit einen „HVO100-tauglichen“ Gebrauchtwagen kauft, sollte diese Eigenschaft schriftlich in den Kaufvertrag aufnehmen lassen. Fehlt die Eigenschaft und das Fahrzeug ist nicht freigegeben, kann der Käufer Nacherfüllung, Preisminderung oder Rücktritt verlangen — innerhalb der Gewährleistungsfristen nach BGB § 438. Bei Privatkäufen entfällt diese Absicherung; dort ist die eigene Prüfung vor Vertragsschluss umso wichtiger.
Fazit: HVO100 lohnt sich — aber nur unter klaren Bedingungen
HVO100 ist kein Universalkraftstoff, sondern ein Spezialprodukt mit spezifischen Anforderungen an Fahrzeug, Infrastruktur und Budget. Der Preis bleibt strukturell über dem fossilen Diesel, solange Rohstoffknappheit und Energiesteuerlast unverändert bleiben. Für Käufer gebrauchter Wohnmobile bis 30.000 Euro oder älterer Diesel-Pkw bedeutet das: Die Freigabe allein rechtfertigt keinen Mehrpreis beim Fahrzeugkauf, wenn die Tankstelleninfrastruktur vor Ort fehlt oder der Kraftstoffmehrpreis das Monatsbudget sprengt. Wer jedoch in einer Region mit guter HVO100-Verfügbarkeit lebt, ein Fahrzeug mit nachweislich lückenloser Freigabe kauft und langfristig plant, kann mit dem Kraftstoff tatsächlich einen messbaren Beitrag zur CO₂-Bilanz leisten — und profitiert dabei von einem saubereren Verbrennungsbild, das sich positiv auf die nächste HU auswirken kann.
Die wichtigste Lektion bleibt: Weder GTÜ noch TÜV noch DEKRA schützen den Käufer vor einem Fahrzeug mit falscher Kraftstoffhistorie — das ist Eigenrecherche. Ein vollständiger vehicle history report und ein unabhängiges technisches Gutachten sind die zwei Instrumente, die tatsächlich Schutz bieten. Alles andere ist Vertrauen auf Basis unvollständiger Information.
Achtung: Kraftstoff-Mismatch kann Garantie und Gewährleistung gefährden
Wer ein Fahrzeug ohne Herstellerfreigabe mit HVO100 betankt, riskiert im Schadensfall den Verlust jeglicher Garantieansprüche. Händlergarantien und Herstellergarantien enthalten in der Regel Klauseln, die Schäden durch nicht freigegebene Betriebsstoffe ausschließen. Auch die gesetzliche Gewährleistung nach BGB § 434 greift nicht, wenn der Käufer den Schaden durch bestimmungswidrige Nutzung selbst verursacht hat. Freigabe immer schriftlich dokumentieren.
What to do next
Prüfen Sie als nächsten konkreten Schritt die FIN des ins Auge gefassten Fahrzeugs über einen VIN check und gleichen Sie das Ergebnis mit der offiziellen VDA-Freigabeliste für HVO100 ab — bevor Sie über den Kaufpreis verhandeln.
CarCheckerVIN Editorial Team
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Häufige Fragen
- Was kostet 1 Liter HVO100?
- An deutschen Tankstellen liegt der HVO100 Preis je nach Standort und Anbieter zwischen 1,55 und 1,85 Euro pro Liter. Der ADAC hat in Stichproben eine Differenz von 15 bis 35 Cent gegenüber fossilem B7-Diesel gemessen. Preisschwankungen sind häufig, da HVO100 an weit weniger als den rund 14.200 Dieselstationen laut Statistischem Bundesamt angeboten wird und regionale Angebotslücken die Preise nach oben treiben.
- Welche Autos dürfen HVO100 tanken?
- Grundsätzlich alle Fahrzeuge, für die der Hersteller eine explizite Freigabe für Paraffinischen Diesel nach DIN EN 15940 erteilt hat. Der VDA koordiniert eine gemeinsame Liste, die über 60 Marken und hunderte Modelle umfasst — überwiegend Diesel-Pkw ab Euro 6d und neuere Nutzfahrzeuge. Ältere Motoren vor Euro 5 haben in der Regel keine Freigabe. Die Betriebsanleitung und die Zulassungsbescheinigung Teil II sind die maßgeblichen Dokumente.
- Ist HVO billiger als Diesel?
- Nein — HVO100 ist in Deutschland strukturell teurer als fossiler Diesel. Rohstoffknappheit, Importlogistik und die volle Energiesteuerbelastung nach EnStG verhindern eine Preisparität. Steuerliche Entlastungen für Privatverbraucher existieren bislang nicht, anders als für Flottenbetreiber, die über die Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) Anrechnungsvorteile nutzen können. Kurzfristig ist keine Angleichung der Preise zu erwarten.
- Warum ist HVO100 so teuer geworden?
- Die Hauptursachen sind globale Rohstoffknappheit bei zertifizierten Abfall- und Reststoffen sowie die Dominanz weniger europäischer Großproduzenten wie Neste in Finnland. Laut einem Bericht der Deutschen Energie-Agentur (dena) aus 2024 übersteigt die Nachfrage das zertifizierte Angebot erheblich. Hinzu kommt die volle Energiesteuerbelastung in Deutschland. Bis zu einer politischen Steuerentlastung bleibt HVO100 ein Premiumkraftstoff mit entsprechendem Aufpreis.
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