VIN-Decodierung: der Master-Ratgeber zu allen 17 Stellen
Jedes seit 1981 für den US-Markt gebaute Fahrzeug trägt eine 17-stellige Fahrgestellnummer, in der Herkunft, Bauausführung, Modelljahr, Produktionswerk und eine eindeutige Seriennummer stecken. Dass es die VIN gibt, weiß fast jeder. Was die einzelnen Stellen bedeuten, wissen die wenigsten — dabei entlarvt genau dieses Wissen binnen Sekunden Zahlendreher, gefälschte Papiere und Inserate, die nicht zum Fahrzeug passen. Dieser Ratgeber nimmt jede Position, jeden Code und jede Stolperfalle auseinander.
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Geben Sie die 17-stellige Fahrgestellnummer ein und erhalten Sie sofort eine Auswertung Stelle für Stelle.
Kurze Geschichte der VIN
Die Fahrgestellnummer ist Jahrzehnte älter als ihre bundesweite Vereinheitlichung. Von den 1950ern bis in die 1970er verwendete jeder Hersteller ein eigenes Format mit 5 bis 13 Zeichen, was markenübergreifende Datenbanken praktisch unmöglich machte. Das US-Verkehrsministerium legte gemeinsam mit internationalen Normungsgremien in ISO 3779 und ISO 3780 die 17-stellige VIN fest. Ab Modelljahr 1981 mussten alle in Nordamerika verkauften leichten Fahrzeuge dieses Format übernehmen.
Diese Grenze von 1981 erklärt, warum Decoder bei älteren Fahrzeugen anders reagieren: Vor-1981-Nummern folgen anderen Regeln und lassen sich nicht Stelle für Stelle gegen den modernen Standard prüfen. Ab 1981 gilt dagegen überall dieselbe Struktur: exakt 17 Zeichen, ein festes Alphabet (ohne I, O und Q, um Verwechslungen mit 1 und 0 auszuschließen) und drei logische Abschnitte.
Aufbau einer 17-stelligen VIN
Jede moderne VIN zerfällt in drei Abschnitte:
- WMI — World Manufacturer Identifier (Stellen 1–3): benennt Land, Hersteller und Fahrzeugtyp.
- VDS — Vehicle Descriptor Section (Stellen 4–8): beschreibt Modell, Karosserie, Rückhaltesystem und Motor. Die Prüfziffer auf Stelle 9 gehört formal noch zum VDS.
- VIS — Vehicle Identifier Section (Stellen 10–17): nennt Modelljahr, Werk und die eindeutige Seriennummer.
Das Alphabet ist bewusst eingeschränkt. Die Buchstaben I, O, und Q fehlen, damit sie nicht mit den Ziffern 1 und 0 verwechselt werden. Jede „VIN“, die Ihnen mit einem dieser Zeichen vorgelegt wird, ist ungültig — entweder ein Übertragungsfehler oder eine erfundene Nummer. Einen schnelleren Überblick gibt unser ergänzender Ratgeber VIN richtig lesen.
Stellen 1–3: der WMI
Die ersten drei Zeichen jeder VIN bilden den World Manufacturer Identifier, vergeben von der Society of Automotive Engineers (SAE) nach dem weltweiten ISO-Schema.Stelle 1 nennt das Land oder die Region der Endmontage. Stelle 2 nennt den Hersteller. Stelle 3 nennt den Fahrzeugtyp oder die Sparte innerhalb dieses Herstellers.
Einige gängige Ländercodes auf Stelle 1:
- 1, 4, 5 — Vereinigte Staaten
- 2 — Kanada
- 3 — Mexiko
- J — Japan
- K — Südkorea
- L — China
- S — Vereinigtes Königreich
- W — Deutschland
- Y — Schweden / Finnland
- Z — Italien
Achten Sie auf diese wichtige Feinheit: Der Ländercode sagt, wo das Fahrzeug montiert wurde, nicht wo die Marke ihren Sitz hat. Ein in Spartanburg, South Carolina gebauter BMW beginnt mit 5 (USA), nicht mit W (Deutschland). Ein in Greensburg, Indiana gebauter Honda Civic beginnt mit 1 oder 5, nicht mit J. Das ist einer der praktisch nützlichsten Hinweise, die der WMI liefert.
Kleinserienhersteller (unter 1.000 Fahrzeuge pro Jahr) erhalten einen besonderen WMI, dessen dritte Stelle die Ziffer 9 ist; der tatsächliche Hersteller steckt dann in den Zeichen 12–14.
Stellen 4–8: der VDS
Die Stellen 4 bis 8 beschreiben die Eigenschaften des Fahrzeugs. Die genaue Zuordnung legt jeder Hersteller selbst fest, die Kategorien sind jedoch einheitlich: Modellreihe, Karosserieform, Rückhaltesystem, Motorisierung und Getriebe beziehungsweise Antriebsart. Hier stecken die meisten praktisch verwertbaren Informationen über eine konkrete Ausführung.
Weil jeder Hersteller seine eigene VDS-Tabelle führt, braucht ein Decoder für jede Marke und jedes Modelljahr eine aktuelle Zuordnung. Der Decoder von CarCheckerVIN greift auf die NHTSA-Datenbank vPIC und zusätzlich auf Herstellertabellen zu — deshalb stehen Hubraum, Leistung, Rückhaltesystem und Antrieb in jedem Bericht korrekt.
Praxistipp: Weicht der über den VDS decodierte Motor von der Beschreibung des Verkäufers ab (im Inserat steht „3,5 l V6“, die VIN decodiert aber einen 2,5-l-Vierzylinder), haben Sie einen Widerspruch gefunden. Entweder wurde die falsche VIN kopiert oder das Inserat ist falsch beschriftet — in beiden Fällen sollten Sie nachhaken, bevor es weitergeht.
Stelle 9: die Prüfziffer
Stelle 9 ist der mathematisch spannendste Teil der VIN. Es handelt sich um eine einzelne Ziffer (0–9 oder den Buchstaben X für den Wert 10), die sich aus den übrigen 16 Zeichen über eine feste gewichtete Summe errechnet, geregelt in 49 CFR 565. Die Rechnung läuft so ab:
- Jeder Buchstabe wird über eine feste Tabelle in eine Zahl übersetzt (A=1, B=2, C=3 und so weiter, mit Anpassungen).
- Jede Position hat ein festes Gewicht (Stellen 1–7: 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2; Stelle 8: 10; Stellen 10–17: 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2).
- Der Zahlenwert jedes Zeichens wird mit seinem Gewicht multipliziert, die Produkte werden addiert.
- Die Summe wird durch 11 geteilt. Der Rest ist die Prüfziffer; ein Rest von 10 wird als Buchstabe X geschrieben.
Warum das zählt? Weil schon ein einziges falsch getipptes oder nachträglich geändertes Zeichen die Prüfziffer fast sicher scheitern lässt. Stimmt sie bei einer VIN nicht, die Ihnen jemand vorlegt, deutet das auf einen Übertragungsfehler hin — oder, unangenehmer, auf manipulierte Papiere. Wichtig: Bei nordamerikanischen Herstellern ist die Prüfziffer Pflicht, manche europäisch gebauten Fahrzeuge setzen an dieser Stelle jedoch ein anderes gültiges Zeichen. Unser Decoder prüft nach dem jeweils geltenden Regelwerk.
Stelle 10: der Modelljahr-Code
Stelle 10 codiert das Modelljahr über ein 30-jähriges Alphabet, das I, O, Q, U, Z und die Ziffer 0 auslässt. Der Zyklus läuft von A bis Y (ohne die ausgeschlossenen Buchstaben) für die Jahre 1980 bis 2000, dann 1 bis 9 für 2001 bis 2009, beginnt 2010 wieder bei A und läuft bis 2030, danach ab 2031 erneut mit 1. Eine kurze Übersicht für den laufenden Zyklus:
| Code | Jahr | Code | Jahr |
|---|---|---|---|
| A | 2010 | M | 2021 |
| B | 2011 | N | 2022 |
| C | 2012 | P | 2023 |
| D | 2013 | R | 2024 |
| E | 2014 | S | 2025 |
| F | 2015 | T | 2026 |
| G | 2016 | V | 2027 |
| H | 2017 | W | 2028 |
| J | 2018 | X | 2029 |
| K | 2019 | Y | 2030 |
| L | 2020 | — | — |
Weil sich das Alphabet alle 30 Jahre wiederholt, ist Stelle 10 für sich genommen mehrdeutig — ein „A“ kann 1980, 2010 oder 2040 bedeuten. Decoder lösen das über Stelle 7 auf: Steht dort eine Ziffer, stammt das Fahrzeug aus dem Zyklus 1980–2009; steht dort ein Buchstabe, ist es 2010 oder jünger. Diese Regel kam hinzu, als der Standard auf den 30-Jahres-Zyklus erweitert wurde.
Wichtiger Vorbehalt: Das Modelljahr ist nicht das Kalenderjahr der Produktion. Ein im September 2025 gebautes Fahrzeug trägt üblicherweise den Modelljahrescode für 2026 (T). Deshalb lohnt zusätzlich ein Blick auf das Typschild mit dem Produktionsdatum im Türholm.
Stelle 11: der Werkscode
Stelle 11 benennt das Werk, in dem das Fahrzeug montiert wurde. Die Codes vergibt jeder Hersteller selbst, veröffentlicht sie aber meist in Werkstatthandbüchern und Rückrufunterlagen. Ein paar Beispiele: Fords Werk in Dearborn trägt den Code F; Toyotas Werk in Georgetown, Kentucky nutzt R oder U; Honda in Marysville, Ohio steht für H.
Warum das zählt? Rückrufaktionen werden häufig nach Werk und Produktionszeitraum abgegrenzt — betroffen sind nur Fahrzeuge aus einem bestimmten Werk innerhalb eines bestimmten Fensters. Stelle 11 sagt Ihnen sofort, ob Ihr Fahrzeug in diesen Kreis fällt. Auch bei Ersatzteilen ist der Werkscode relevant: Unterschiede in Innenausstattung und Elektrik zwischen Werken, die dasselbe Modell bauen, sind alltäglich.
Stellen 12–17: die Seriennummer
Die letzten sechs Zeichen bilden die eindeutige Seriennummer, die ein bestimmtes Fahrzeug von allen baugleichen desselben Bandes unterscheidet. Hersteller nummerieren in der Regel fortlaufend, weshalb die Seriennummer grob der Baureihenfolge entspricht: Ein Fahrzeug mit der Endung 100001 lief deutlich vor einem mit 850000 desselben Modelljahres und Werks vom Band.
Hier steckt außerdem die Kennung der Kleinserienhersteller. Steht auf Stelle 3 des WMI eine 9, benennen die Zeichen 12–14 den tatsächlichen Hersteller (Kit-Car-Bauer, Karosseriemanufakturen, Kleinstserien-Spezialisten).
Typische Fehler beim Decodieren
- 0 mit O verwechseln oder 1 mit I. Moderne VINs enthalten nie I, O oder Q. Wer sie sieht, hat einen Übertragungsfehler oder eine Fälschung vor sich.
- Falsch mitzählen. Eine 17-stellige VIN mit Leerzeichen davor oder dahinter ist nicht 17-stellig. Erst Leerzeichen entfernen, dann zählen.
- Produktionsjahr und Modelljahr verwechseln. Ein Ende 2025 gebautes Fahrzeug mit Modelljahr 2026 ist völlig normal. Stelle 10 nennt das Modelljahr.
- Vor-1981-VINs mit modernen Regeln decodieren. Sie werden nicht validieren; der Standard gilt für sie nicht.
- Nur dem Armaturenbrettschild trauen. Gleichen Sie die VIN vor jeder Entscheidung mit dem Türholm-Aufkleber, dem Titel und der Zulassung ab.
Die decodierte VIN im Alltag nutzen
Decodieren ist kein Selbstzweck. Situationen, in denen das Wissen um jede Stelle den Ausgang verändert:
- Ein Inserat prüfen. Motor und Ausstattung aus dem VDS müssen zum Inserat passen. Abweichungen sind ein Warnsignal.
- Ersatzteile kaufen. Werkscode und Seriennummer helfen dem Teiledienst, den passenden Teilestand für genau Ihren Bauzustand zu finden.
- Rückrufe eingrenzen. Viele Rückrufe sind nach Werk und Seriennummernbereich abgegrenzt; die Decodierung sagt Ihnen, ob Sie dazugehören.
- Klonungen erkennen. Ein WMI, der nicht zum angeblichen Montageland passt, ein Modelljahrescode, der dem Titel widerspricht, oder eine fehlgeschlagene Prüfziffer sind klassische Spuren einer VIN-Klonung.
- Das eigene Fahrzeug dokumentieren. Wer den Bauzustand kennt, tut sich bei Versicherungsangeboten, Verkaufsfotos und Garantiefällen leichter.
Decodierung an Beispielen
Theorie sitzt am besten mit Beispielen. Die folgenden drei VINs zeigen das Vorgehen bei unterschiedlichen Herstellerformaten. Sie stehen exemplarisch für gültige Strukturen — bitte nicht als Verweise auf konkrete reale Fahrzeuge lesen.
Beispiel 1: ein Toyota aus Nordamerika
Eine VIN, die mit 5TF beginnt, sagt uns: Stelle 1 = 5 (Vereinigte Staaten, Großserienhersteller), Stelle 2 = T (Toyota), Stelle 3 = F (Lkw-Sparte). Das Fahrzeug wurde in den USA von Toyota gebaut und gehört zur Pick-up-Familie (Tundra/Tacoma/Sequoia). Die Stellen 4–8 beschreiben Kabine, Ladefläche, Motor und Rückhaltesystem; ihre Auflösung erfordert Toyotas VDS-Tabelle für das jeweilige Modelljahr. Stelle 10 = T stünde für das Modelljahr 2026. Stelle 11 nennt das Montagewerk (für viele Tundra etwa D für San Antonio).
Beispiel 2: ein in Deutschland gebauter BMW
Eine VIN, die mit WBA beginnt, bedeutet: Stelle 1 = W (Deutschland), Stellen 2–3 = BA (BMW AG, Personenwagen). Die VDS-Stellen 4–8 lösen Karosserie, Baureihe und Motor auf, Stelle 10 das Modelljahr. Der Kontrast zu einem in Spartanburg gebauten BMW der X-Reihe ist aufschlussreich: Dessen VIN beginnt mit 5UX — dieselbe Marke, aber Montage in den USA. Der WMI nennt eben das Montageland, nicht den Sitz der Marke.
Beispiel 3: ein in Japan gebauter Honda
Eine VIN, die mit JHM beginnt, sagt uns: Stelle 1 = J (Japan), Stellen 2–3 = HM (Honda Motor, Personenwagen). Der Kontrast zu 1HG (Vereinigte Staaten, Honda of America Manufacturing, Personenwagen) zeigt dieselbe Marke aus zwei Ländern. Manche Käufer bevorzugen eine Herkunft wegen der Teileversorgung oder des Rufs — das moderne Qualitätssystem von Honda ist über die Werke hinweg allerdings praktisch identisch.
Sonderfälle bei der VIN
Neben regulären Serienfahrzeugen folgen mehrere Kategorien abgewandelten Regeln:
- Schwere Lkw (Class 8) folgen demselben 17-stelligen Standard, nutzen im VDS aber eigene Konventionen und Gewichtsklassen-Kennungen.
- Motorräder verwenden dasselbe 17-stellige Format mit einem eigenen WMI je Herstellersparte.
- Wohnmobile und RVs haben häufig zwei VINs — eine für das Chassis (meist eine Nutzfahrzeug-VIN) und eine für den darauf gesetzten Aufbau. Beide gehören in den Titel.
- Grauimporte können eine VIN aus einem anderen Markt (Japan, Europa) tragen, die nicht immer gegen die US-Prüfzifferregel validiert. Seriöse Importeure vergeben mit Zustimmung der NHTSA eine zusätzliche VIN im US-Format.
- Fahrzeuge mit Ersatz-VIN — wurde das Original-VIN-Schild zerstört oder entfernt (typischerweise nach Diebstahl oder schwerem Unfall), vergibt die Behörde eine Ersatznummer, die im Titel und in jedem Bericht auftauchen sollte.
Was Halter und Käufer praktisch mit der VIN erledigen
Über die Prüfung vor dem Kauf hinaus ist die VIN der Anker für eine lange Liste alltäglicher Vorgänge. Versicherungsangebot und Abschluss brauchen die exakte 17-stellige Nummer, um das Risikoprofil des Fahrzeugs abzurufen. Zulassungsverlängerung, Abgas- und Sicherheitsprüfung, Parkausweise und Maut-Transponder hängen ebenso an ihr. Rückrufabfragen beim Hersteller, Garantieanträge und die Registrierung von Anschlussgarantien laufen alle über die VIN. Selbst Pannendienste gleichen sie ab, bevor sie ausrücken.
Für die laufende Haltung gilt: Registrieren Sie Ihre VIN beim Rückrufsystem der NHTSA unter nhtsa.gov/recalls und zusätzlich im Halterportal des Herstellers. Beide Systeme melden sich per E-Mail, sobald ein neuer Rückruf Ihr Fahrzeug betrifft — auch dann, wenn ein Vorbesitzer die ursprüngliche Mitteilung erhalten hat. Das ist die wirkungsvollste einmalige Einrichtung überhaupt, denn Rückrufe Jahre nach der Produktion erreichen Fahrzeuge nach Halterwechsel routinemäßig nicht.
Für Verkäufer ist die VIN im Inserat längst Erwartung statt Kür. Wer das Fahrzeug vor der Terminvereinbarung nicht prüfen kann, überspringt das Angebot. Nennen Sie die Nummer und laden Sie ausdrücklich zur eigenen Berichtsabfrage ein — damit fällt fast jeder Einwand gegen einen Besichtigungstermin weg. Inserate mit VIN und vorab gezogenem Bericht verkaufen sich durchweg schneller und näher am Angebotspreis.
VIN-Geschichte jenseits des 17-Zeichen-Standards
Der 17-Zeichen-Standard regelt alles ab 1981; wer ältere Fahrzeuge und Sonderfälle verstehen will, sollte die Vorgeschichte kennen. Von den 1950ern bis in die 1970er nutzten Hersteller eigene Formate mit 5 bis 13 Zeichen. Ford, Chevrolet, Chrysler, AMC und die Importeure hatten jeweils eigene Strukturen — ohne Konsistenz zwischen Marken oder auch nur zwischen Modelljahren derselben Marke. Vereinheitlicht wurde das Format über FMVSS 115, verbindlich für alle leichten Fahrzeuge ab Modelljahr 1981.
Vor-1981-Nummern lassen sich nicht Stelle für Stelle nach den modernen Regeln lesen. Sie brauchen herstellerspezifische Tabellen, und die Auslegung schwankt oft sogar innerhalb eines Jahres zwischen Produktionslosen. Wer Oldtimer oder Youngtimer kauft, findet in unserem Glossar Verweise auf die wichtigsten Vor-1981-Schemata; für verbindliche Auskünfte sollten Sie aber immer markenspezifische Clubs und Register gegenprüfen.
Auch der 17-Zeichen-Standard hat sich seit 1981 weiterentwickelt. Die Prüfzifferregel wurde Ende der 1980er verschärft. Das 30-jährige Alphabet für Stelle 10 wurde 2001 erweitert, um den Neustart 2010 abzubilden. WMI-Zuteilungen kamen hinzu oder wurden neu vergeben, weil Unternehmen fusionierten, Marken abgaben oder in neuen Ländern zu produzieren begannen. Ein moderner Decoder braucht deshalb ein aktuelles WMI-Register neben aktuellen VDS-Tabellen, um jedes Modelljahr korrekt aufzulösen.
Wo die VIN am Fahrzeug steht
Die Struktur zu kennen nützt nur, wenn Sie die Nummer am realen Fahrzeug zuverlässig finden. Hersteller prägen oder kleben sie an mehreren Stellen an, damit man sie gegenprüfen kann. Die wichtigsten Fundorte:
- Schild am Armaturenbrett — durch die Windschutzscheibe unten auf der Fahrerseite sichtbar. Das ist das gesetzlich vorgeschriebene öffentliche VIN-Schild, mit Sicherheitsnieten befestigt; Manipulation ist meist erkennbar.
- Aufkleber im Fahrertürholm — gedruckt neben Produktionsdatum, zulässigem Gesamtgewicht und Reifendruckangaben auf einem werkseitigen Etikett.
- Einprägung im Motorraum — bei den meisten modernen Fahrzeugen direkt in Stirnwand oder Federbeindom geschlagen. Prüfstellen gleichen sie gegen das Armaturenbrettschild ab.
- Titel und Zulassung — die VIN ist auf jedem behördlichen Dokument die rechtliche Kennung.
- Versicherungskarte und Police — müssen zur zugelassenen VIN passen.
- Auslesen über OBD-II — moderne Fahrzeuge geben die VIN über die Diagnoseschnittstelle aus; weicht die elektronische Nummer vom Armaturenbrettschild ab, ist das ein eindeutiger Beleg für eine Klonung.
Prüfen Sie die VIN bei jeder Besichtigung an mindestens drei dieser Stellen. Eine Abweichung beweist manipulierte Papiere oder ein geklontes Fahrzeug und ist Grund, das Geschäft sofort abzubrechen.
Internationale VIN-Normen und regionale Abweichungen
ISO 3779 und ISO 3780 definieren die moderne VIN, doch die Umsetzung unterscheidet sich je nach Region. Nordamerikanische Hersteller wenden die Prüfzifferregel auf Stelle 9 strikt an. Europäische und einzelne asiatische Hersteller nutzen Stelle 9 mitunter anders; ihre VINs haben weiterhin 17 Zeichen und lassen sich Stelle für Stelle lesen, nur gilt die Prüfziffervalidierung nicht überall. Wer einen Grauimport begutachtet, sollte das wissen: Eine nach US-Regel fehlgeschlagene Prüfziffer kann bei einem europäischen Fahrzeug völlig normal sein und ist kein Beweis für Manipulation.
Australien, das Vereinigte Königreich und die Europäische Union schreiben die 17-stellige Struktur für Neufahrzeuge ebenfalls vor und vergeben eigene WMI an ihre heimischen Hersteller. Brasilien, Mexiko, Indien und der Großteil Südamerikas folgen dem Standard ebenso. Die wenigen Märkte, die früher kürzere Kennungen nutzten, sind für die Neuproduktion weitgehend auf die ISO-Norm umgestiegen; ältere Fahrzeuge tragen dort aber teils abweichende Nummern, die sich nur über herstellerspezifische Tabellen von Hand auflösen lassen.
Wie ein Decoder eine VIN vollständig prüft
Ein guter VIN-Decoder führt zu jeder Eingabe fünf Prüfungen durch. Erstens die Struktur: genau 17 Zeichen, kein I, O oder Q, ausschließlich alphanumerisch. Zweitens die Prüfziffer: Das Zeichen auf Stelle 9 muss dem Ergebnis der gewichteten Summe entsprechen. Drittens der WMI-Abgleich: Die ersten drei Zeichen müssen einem eingetragenen Hersteller im SAE-Register zugeordnet sein. Viertens die Modelljahr-Gegenprüfung: Der Code auf Stelle 10 muss zusammen mit Stelle 7 ein Jahr ergeben, das zum Registrierungsdatum des WMI und zu den VDS-Werten passt. Fünftens die VDS-Auflösung: Jede Stelle von 4 bis 8 muss einem gültigen Eintrag der Herstellertabelle für dieses Jahr und diese Modellreihe entsprechen.
Der Decoder von CarCheckerVIN führt alle fünf Prüfungen bei jeder Abfrage aus und meldet jeden Fehlschlag — deshalb fallen Tippfehler und manipulierte Nummern sofort auf, statt stillschweigend akzeptiert zu werden. Kostenlose Decodierungen gibt es in unserem VIN-Abfrage-Tool, ganz ohne Konto.
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Häufige Fragen
Wie wird die Prüfziffer der VIN (Stelle 9) berechnet?
+
Die Prüfziffer auf Stelle 9 ergibt sich aus den übrigen 16 Zeichen über eine gewichtete Umrechnung. Jeder Buchstabe wird über eine feste Tabelle in eine Zahl übersetzt, jede Position mit einem festen Gewicht multipliziert (8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 10 für die Stellen 1 bis 8 und 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2 für die Stellen 10 bis 17), die Produkte werden addiert und die Summe durch 11 geteilt. Der Rest ist die Prüfziffer; ein Rest von 10 wird als Buchstabe X geschrieben.
Worin unterscheiden sich VDS und VIS in der VIN?
+
Der VDS (Vehicle Descriptor Section) umfasst die Stellen 4 bis 8 und codiert vom Hersteller festgelegte Merkmale wie Modellreihe, Karosserieform, Rückhaltesystem und Motor. Der VIS (Vehicle Identifier Section) umfasst die Stellen 10 bis 17 und hält Modelljahr, Montagewerk und die eindeutige Seriennummer fest. Kurz gesagt: Der VDS beschreibt, was für ein Fahrzeug es ist; der VIS benennt das konkrete Exemplar sowie Ort und Zeitpunkt seiner Fertigung.
Verrät ein VIN-Decoder Motor und Ausstattung eines Fahrzeugs?
+
Häufig ja, die Genauigkeit hängt aber von den Herstellerdaten ab. Motor und Rückhaltesystem stecken im VDS (Stellen 4 bis 8), und ein Decoder gleicht diese Zeichen gegen die Tabelle des Herstellers für Marke und Modelljahr ab. Die Motorisierung löst sich meist zuverlässig auf, Ausstattungslinie, Pakete und einzelne Optionen stehen dagegen nicht immer in der VIN selbst. Die Abdeckung schwankt je nach Marke: Manche Fahrzeuge decodieren bis zur vollständigen Konfiguration, andere geben nur die Grunddaten her.
Was ist der Unterschied zwischen VIN-Decodierung und Fahrzeughistorien-Bericht?
+
Die Decodierung liest die feststehenden Baudaten aus den 17 Zeichen: Hersteller, Montageland, Modelljahr, Werk und Konfigurationsmerkmale. Ein Fahrzeughistorien-Bericht trägt dagegen die Ereignisse aus dem Fahrzeugleben zusammen — Titelübertragungen, Unfälle, Tachostände, Rückrufe und Diebstahlmeldungen. Die Decodierung beantwortet, was das Fahrzeug ist; der Bericht beantwortet, was ihm widerfahren ist. Beides ergänzt sich, ersetzt sich aber nicht.
Wie funktioniert der vPIC-Decoder der NHTSA?
+
Der kostenlose vPIC-Decoder der NHTSA (Product Information Catalog and Vehicle Listing) ordnet WMI und VDS einer VIN Marke, Modell, Fahrzeugklasse und Spezifikationen für US-Marktfahrzeuge zu. Grundlage sind Daten, die Hersteller aufgrund bundesrechtlicher Vorgaben einreichen; zurück kommen standardisierte Merkmale. Für leichte US-Fahrzeuge ist vPIC maßgeblich, liefert aber keine Fahrzeughistorie — und der Detailgrad hängt davon ab, wie viele Spezifikationsdaten der jeweilige Hersteller hinterlegt hat.
Warum haben zwei Autos desselben Modells unterschiedliche VIN-Muster?
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Baugleiche Modelle können vor allem wegen Montageland und Bauausführung abweichende Muster tragen. Die ersten drei Zeichen (WMI) geben den Montageort wieder, weshalb ein Modell aus zwei Werken in verschiedenen Ländern zwei WMI bekommt. Auch der VDS (Stellen 4 bis 8) unterscheidet sich, sobald Motor, Karosserie oder Rückhaltesystem abweichen. Werkscode und Seriennummer im VIS sind ohnehin für jedes einzelne Fahrzeug verschieden.
Zeigt die VIN-Decodierung Werksoptionen und verbaute Ausstattung?
+
Nur teilweise, und es hängt vom Hersteller ab. Die standardisierte VIN codiert im VDS die Kernmerkmale wie Motor, Karosserie und Rückhaltesystem. Die vollständige Ausstattung bis hin zu Lackierung, Paketen und Zubehör liegt dagegen meist in einer separaten Werks-Ausstattungsliste oder im Monroney-Datensatz, der über die VIN verknüpft ist — nicht in den 17 Zeichen. Für die komplette Ausstattungsübersicht brauchen Sie in der Regel den Bauzustandsdatensatz des Herstellers, und die Abdeckung fällt je nach Marke unterschiedlich aus.